Bei der Instandsetzung von Fassaden geht es nicht nur um Optik, sondern in erster Linie um Tragfähigkeit und Sicherheit. Risse, gelockerte Wandanker oder geschwächte Stürze können die strukturelle Integrität eines Gebäudes beeinträchtigen. Spezialisierte Ankermörtel ermöglichen es, solche Schäden gezielt zu beheben – ohne großflächigen Rückbau und ohne sichtbare Eingriffe an der Fassade.
Sie bilden die Verbindung zwischen Mauerwerk und Verankerungselementen und sind damit ein entscheidender Bestandteil moderner wie auch denkmalgerechter Sanierungskonzepte.
Warum Fassaden besondere Mörtelsysteme benötigen
Herkömmlicher Mauermörtel ist für das Verfugen von Steinen ausgelegt, nicht jedoch für das Übertragen von Zug-, Scher- und Druckkräften aus Bewehrungsstäben oder Wandankern. Bei konstruktiven Reparaturen müssen Kräfte dauerhaft und zuverlässig in das Mauerwerk eingeleitet werden.
Genau hier kommen Ankermörtel zum Einsatz. Sie besitzen:
- hohe Haftzugfestigkeit
- sehr geringe Schwindneigung
- definierte Druckfestigkeiten
- kontrollierte Aushärtung
Dadurch können sie Lasten aufnehmen, die bei Fassadenreparaturen auftreten, etwa durch Wind, Gebäudebewegungen oder Setzungen.
Was ist Ankermörtel?
Ankermörtel ist ein speziell formulierter Mörtel zur kraftschlüssigen Verbindung von Metallankern, Spiralankern oder Gewindestangen mit Mauerwerk, Beton oder Naturstein. Er wird in Bohrlöcher oder Fugen eingebracht und härtet dort zu einer hochfesten, formschlüssigen Verbindung aus.
Typische Anwendungen sind:
- Risssanierung mit Spiralankern
- Nachrüstung oder Austausch von Hohlwandankern
- Stabilisierung von Stürzen über Fenster- und Türöffnungen
- Sicherung von Fassadenteilen gegen Ablösung
Ohne einen geeigneten Ankermörtel wären diese Eingriffe entweder sichtbar, statisch unsicher oder langfristig nicht haltbar.
Die drei wichtigsten Arten von Ankermörtel
Je nach Untergrund, Belastung und bauphysikalischen Anforderungen kommen unterschiedliche Mörteltypen zum Einsatz.
1. Zementgebundene Einkomponenten-Ankermörtel
Sie werden mit Wasser angerührt und eignen sich für viele Standardanwendungen in Mauerwerk und Beton. Sie bieten eine gute Druckfestigkeit und sind einfach zu verarbeiten.
2. Zweikomponenten-Injektionsmörtel
Diese bestehen aus Harz und Härter und werden über Kartuschen in Bohrlöcher eingebracht. Sie sind schrumpffrei, sehr belastbar und ideal für präzise Verankerungen oder hohe Zugkräfte.
3. Kalkgebundene Ankermörtel
Für historische Fassaden und Naturstein werden atmungsaktive, flexible Mörtel benötigt. Kalkbasierte Systeme sind mit alten Baustoffen verträglich und vermeiden Spannungen im Mauerwerk.
Zusammenspiel mit anderen Sanierungstechniken
Ankermörtel entfalten ihre volle Wirkung im System mit anderen Fassadenbauteilen. Spiralanker, Mauerwerksverbinder oder Sturzarmierungen benötigen einen Mörtel, der ihre Funktion dauerhaft absichert.
Ein typisches Beispiel ist die Risssanierung:
Spiralanker werden in die Lagerfugen eingesetzt, der Ankermörtel verbindet sie kraftschlüssig mit dem Mauerwerk. Dadurch wird der Riss nicht nur geschlossen, sondern statisch überbrückt.
Technische Sicherheit durch geprüfte Systeme
Für den Einsatz im Bauwesen müssen Ankermörtel klar definierte Eigenschaften erfüllen. Dazu gehören:
- CE-Kennzeichnung
- geprüfte Lastwerte
- dokumentierte Aushärtungszeiten
- Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Frost
Nur so ist sichergestellt, dass eine Fassadenreparatur nicht nur kurzfristig hält, sondern über Jahrzehnte hinweg zuverlässig bleibt.
Fazit
Moderne Fassadensanierung ist ohne spezialisierte Ankermörtel kaum denkbar. Sie ermöglichen konstruktive Eingriffe, ohne das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes zu verändern. Ob bei der Risssanierung, der Sicherung von Wandankern oder der Stabilisierung von Stürzen – die Wahl des richtigen Ankermörtels entscheidet über die Dauerhaftigkeit und Sicherheit der gesamten Konstruktion.
Eine fachgerechte Planung, die passende Mörtelart und eine präzise Verarbeitung sind dabei die Grundlage für eine langfristig stabile und optisch unversehrte Fassade.